Melanie Rückert - Editorial

Zeitschrift für Beratungs- und Managementwissenschaften
Ausgabe 2019/01
ISSN 2312–5853

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Melanie Rückert

Editorial

Die 5. Ausgabe der Zeitschrift für Beratungs- und Managementwissenschaften im Jahr 2019 ist dem Thema Sprache gewidmet. Als grundlegende Formen der Kommunikation birgt die Sprache, das Sprechen und der sprachliche Ausdruck wesentliche Implikationen für die Beratungspraxis – hinsichtlich des Umgangs mit KlientInnen, der Auseinandersetzung unter ProfessionistInnen, der Kommunikationsstrukturen in Institutionen beziehungsweise der Begleitung von Menschen mit anderer Muttersprache etc.

Über unsere Sprache, die Intonation und den Rhythmus vermitteln wir unsere Haltung, unsere Expertise, aber auch unseren Gemütszustand. Wir wollen verstanden werden und verstehen – wir kommunizieren dabei immer auf verschiedenen Ebenen und sehen uns nicht selten mit der Komplexität von eigentlicher Intention und tatsächlichem Ergebnis konfrontiert. Sprache wirkt sich auch auf unser Denken und Handeln als DienstleisterInnen in der Beratung und unsere Arbeit als WissenschafterInnen aus. Sie ist verankert in Kultur und Gemeinschaft und sie spendet Identität.

Gerda Mehta ist es als Herausgeberin in diesem Heft gelungen, unveröffentlichte Schriften des 2016 verstorbenen Psychoanalytikers Felix de Mendelssohn in Zusammenarbeit mit seiner Tochter Anna Mendelssohn aufzubereiten. De Mendelssohn bringt in seinen Artikeln Sprache in Zusammenhang mit Tratsch und in Verbindung mit dem Mythos vom Turmbau zu Babel und ergänzt sie durch Beispiele aus seiner eigenen Praxis. Ausgehend von theoretischen Überlegungen über die soziale Funktion des Tratschens, reflektiert er die Bedeutung des Tratschens im Kreise von PsychoanalytikerInnen. Aus psychoanalytischer Perspektive diskutiert er den Babel-Mythos hinsichtlich der Kommunikation in Gruppen.

Thomas Schweinschwaller behandelt die Relevanz und Qualität von Besprechungen in Unternehmen aus der Perspektive von Organisationen. Beginnend mit einem Überblick über Qualitätsaspekte von Besprechungen definiert er wesentliche Qualitätsmerkmale. Anhand eines Beispiels wird schließlich gezeigt, wie Veränderungen der Besprechungskultur unter Einbezug aller Beteiligten in der Beratungspraxis initiiert und erfolgreich umgesetzt werden können.

Rhythmen sind in ihrer strukturierenden Leistung kultur- und sprachunabhängig. Mit der Fähigkeit, den Rhythmus einer nicht verständlichen Sprache im Vergleich zur Muttersprache wahrzunehmen, beschäftigt sich Anna Schor-Tschudnowskaja.

Zwei Absolventinnen des Universitätsinstituts für Beratungs- und Managementwissenschaften stellen ihre wissenschaftlichen Abschlussarbeiten vor. Lena Sara Hasenclever schließt an die Ausführungen Mendelssohns an und bietet einen Einblick in die Kommunikationskultur von Jugendlichen zum Thema Konfliktaustragung. Denise St. John beschreibt die Voraussetzungen für professionelle Aufstellungsarbeit als intensiven Lern- und Reifungsprozess mit der Möglichkeit zum kollegialen Austausch.

Jürgen Hagens gelingt es in eindrucksvoller Form, die Macht von Sprache aus Sicht des Beraters/der Beraterin einer detaillierten Analyse zu unterziehen. Im Wechselspiel zwischen Variationen der systemischen Fragetechnik, den Reaktionen des Gegenübers und den eigenen Reflexionen und Abwägungen des Autors wird lösungsorientiertes Arbeiten demonstriert.

Den Abschluss bilden zwei Artikel im Kontext von Traumaarbeit. Daniela Hofmann schildert die Wirkungsweise von Gedichten bei (bindungs-)traumatisierten Menschen. Ausgehend von den sprachphilosophischen Ausführungen Martin Heideggers berichtet sie von ihrer Arbeit, in der sie über Gedichte einerseits den Kontakt zu KlientInnen (wieder-)herstellt und andererseits die Möglichkeit für sich geschaffen hat, in Resonanz zu den erlebten Traumata der KlientInnen zu gelangen.

Nina Hermann und Brigitta Busch schließlich befassen sich mit den Wechselwirkungen zwischen traumatischem und sprachlichem Erleben. Darauf bezogen diskutieren sie praxisrelevante Überlegungen für die Psychotherapie und Beratung von traumatisierten Flüchtlingen.

Beide Artikel befassen sich mit der oftmals mit traumatischen Erfahrungen einhergehenden Sprachlosigkeit, die – hinzukommend noch die Fremdsprache bei Flüchtlingen – erweiterter Instrumentarien in der Begleitung von Betroffenen bedarf.

Es wird deutlich, dass etwas derart Selbstverständliches wie Sprache in unserem Alltag nicht lediglich als Gegeben anzusehen, sondern immer aufs Neue zu hinterfragen ist, welche längst eingeübten Sprachmuster und Sprechweisen womöglich veränderungswürdig sind, wenn nicht zumindest ins Bewusstsein gerückt werden sollten. An dieser Stelle sei auf das International Journal of Language and Linguistics verwiesen, welches sich explizit dem Thema Sprache widmet.

 

Melanie Rückert

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